Sag´s doch einfach !

Beim Thema Erziehung erzählt meine Mutter immer gerne eine Geschichte von meiner kleinen Schwester, die ungefähr so ging. Meine Schwester wollte von meiner Mutter irgendeine Entscheidung, ob sie noch mit Freunden weggehen darf oder so ähnlich. Daraufhin setze meine Mutter zu einer langen Erklärung an, Jugendschutz, elterliche Aufsichtspflicht, Alter, Verantwortung und was man zu diesem Thema noch alles erklären kann. Alles in der Idee eine möglichst nachvollziehbare, nicht allzu niederschmetternde, versöhnliche Form für das gleich folgende Nein zu finden. Meiner Schwester riss dann recht schnell der Geduldsfaden und sie sagte: „Jetzt sag doch einfach ja oder nein!“

Ich finde das eine sehr spannendes Beispiel dafür wie wichtig es ist, dass Führungskräfte Entscheidungen treffen, für die sie verantwortlich zeichnen. Für diejenigen nämlich, die auf diese Entscheidung angewiesen sind, steht erst mal alles im Stillstand bis endlich klar ist wohin der nächste Schritt geht. Das ist mitunter ein sehr quälendes und unangenehmes Gefühl, weil man zwar gerne würde und auch könnte aber nicht weiß ob man dürfte. Das ist wie eine unverschämt lange Rotphase an einer Fußgängerampel ohne relevanten Autoverkehr. Der Drang trotzdem zu gehen wird mit jeder Sekunde größer, die man nicht versteht warum man jetzt hier warten soll.

Natürlich ist es auch wichtig zu verstehen, warum die Führungskraft entscheidet, wie sie entscheidet, schließlich braucht man das Kommittent der MitarbeiterInnen und das wiederum bedarf der Einsicht. Aber was ich mit der kleinen Geschichte am Anfang sagen möchte ist, dass es für alle Menschen in der Regel immer noch leichter ist, eine Entscheidung zu ihren Ungunsten zu ertragen, als das permanente Warten auf überhaupt irgendeine Entscheidung.

Wie immer hat so eine Geschichte ja noch eine zweite Seite – in diesem Fall die meiner Mutter: Warum also war es so schwierig einfach ja oder nein zu sagen? Ich denke abgesehen davon, dass sie nicht so gerne der Grund für die gleich tiefe Enttäuschung in den Augen meiner Schwester sein wollte, war der Hauptgrund, dass sie sich nicht sicher war was sie entscheiden will. Die Erklärwut war viel mehr ein Zeichen für den inneren Dialog des Abwägens von Für und Wider. Meine Schwester hat quasi diesen gesamten inneren Widerstreit ungefiltert abbekommen und zu recht aufbegehrt.

Auch hier finde ich lassen sich Parallelen zum Arbeitsleben finden, denn wie häufig passiert es uns, dass wir eine Entscheidung treffen sollen und innerlich noch nicht so ganz klar sind – Ja – Nein – Jein!
Es zeigt auch dass es für alle Parteien durchaus hilfreich ist, die Entscheidung nochmal zu überdenken aber den anderen dabei nicht aus den Augen zu verlieren, sondern sich bewusst zu sein, dass die nicht getroffene Entscheidung das Leid der Betroffenen verlängert. (Ich muss das nochmal überdenken und sage Dir in in einer Stunde/morgen/nächste Woche wie und warum ich mich entschieden habe) 

Spoiler: Coaching und Supervision können dabei helfen innere Klarheit zu gewinnen 🙂

Wie geht es Ihnen mit Entscheidungssituationen? Haben Sie sich schon mal vor einer Entscheidung gedrückt?

 

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