„Das reicht doch erstmal so!“

Mülleimer

Der Sohn hat sich heute mit dem Gatten gestritten. Anlass war ein zu drei-vierteln ausgeleerter Mülleimer. Der Sohn (mitteljung) bekam vom Vater (mittelalt) den Auftrag den Mülleimer auszuleeren, was dieser mit leisem Murren erledigte und den Eimer anschließend dem Vater wieder vor die Füße stellte – viertelvoll. (Das ist dieses Problem, wenn man zu lange den Müll in den Eimer drückt, lässt er sich anschließend nicht ohne Mühe leeren). Der Gatte notamused wollte den Sohn sofort wieder mit dem viertelvollen Eimer rausschicken, woraufhin dieser entgegnete: „Wieso, das reicht doch erstmal so!“

Im agilen Arbeiten gibt es einen Satz, der heißt: „Good enough for now, save enough to try.“ Er versucht der Tatsache Rechnung zu tragen, dass viele Prozesse längst überholt sind, wenn sie erstmal zu Ende gedacht sind und man dann in einer ewigen Planungsschleife hängt, ohne jemals anzufangen. „Das reicht erstmal so“ kann helfen schnell ins Doing zu kommen und vorausgesetzt alle haben die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen und beständig nach zu korrigieren erreicht man am Ende das Ziel schneller, als wenn man von vorneherein alles zu Ende gedacht hätte.

In der aktuellen Situation höre ich jeden Tag Geschichten von „das reicht erstmal so“. Vorläufige digitale Unterschriften, Homeoffice, Videokonferenzen, Homeschooling – überall geht plötzlich was sonst nie ging. Das fühlt sich aufregend und beängstigend zu gleich an. Es hat etwas lustvoll Spielerisches und gleichzeitig diese Idee von „Oh mein Gott, wenn das mal gut geht!“.

Es gibt sicher unzählige Situationen in denen „das reicht erstmal so“ nicht ausreichend ist und der jetzige Zustand nur Krise sein kann, aber für andere Bereiche lässt sich das Ausprobieren vielleicht in die „Nach-Corona-Zeit“ mitnehmen. Das Arbeiten auch hinterher ein bisschen leichter gestalten. Wichtig wäre nur, dass dieses „das reicht erstmal so“ immer nur ein erstmal ist. Es kann nie ein vollkommen stabiler Endzustand sein, sondern sollte weiterhin von dem Gedanken der Optimierung und Verbesserung, von Qualitätsanspruch und Nutzen getragen werden.

Als Führungskraft haben Sie es in der Hand jetzt mit Ihren Mitarbeitern diese iterativen Prozesse zu üben und Erfahrungen zu sammeln, zu keiner Zeit sind Fehler so verziehen worden wie jetzt gerade. Darin liegt eine große Chance, dieses Erleben von Fehlertoleranz zu konservieren und für später zu bewahren.

Übrigens hat natürlich auch „das reicht doch erstmal so“ Konsequenzen, die getragen werden müssen. Im Fall meines Sohnes muss er dann eben zweimal am Tag den Müll rausbringen – könnte sein, dass er den Prozess doch noch mal überdenkt.

Wie geht es Ihnen mit dem Ausprobieren? Welche Prozesse mussten Sie kurzfristig auf „das reícht doch erstmal so“ umstellen?

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