Leihfrist endet auch für Führungskräfte

Ich habe ein wirklich spannendes Buch zum Thema Macht in Organisationen gelesen. Dabei bin ich über einen Satz gestolpert, den ich erstmal nur irgendwie witzig fand und der mich dann aber sehr zum Nachdenken angeregt hat.

„Führungskräfte sollten vermeiden (…) zu vergessen, wann für die geliehene Macht die Leihfrist endet.“ (Volk, Theresia: „Spielen um zu gewinnen“, V&R 2019)

Volk, Theresia: „Spielen um zu gewinnen“, V&R 2019

Jemandem etwas zu leihen hat ja sehr viel mit Vertrauen zu tun, das heißt ich traue jemandem zu, dass er oder sie mit dem was ich ihm oder ihr geliehen habe sorgsam umgeht und ich es irgendwann intakt wieder zurückbekomme; mein Auto, mein Ohr, meine Lieblingsjeans, meinen Rasenmäher…

Ich finde es ein schönes Bild, das Führungskräften ihre Macht nur geliehen wird (manchmal ja auch verliehen) und dass das heißt sie müssen sorgsam damit umgehen, weil sie ihnen nicht ganz alleine gehört.

Natürlich fragt man oder frau sich als Führungskraft, woher weiß ich denn nun, dass die Leihfrist endet, gibt ja schließlich keinen Beleg, wie in der Bücherei. Wahrscheinlich ist es aber eher eine Frage der Ausgestaltung als die einer zeitlichen Frist.

Rollen und so auch die Führungsrolle, sind Bündel von Erwartungen. Menschen unterschiedlichster Gruppierungen (MitarbeiterInnen, Vorgesetzte, KundInnen, StakeholderInnen) haben unterschiedliche Erwartungen an eine Rolle – z.B. TeamleiterIn oder AbteilungsleiterIn. In einem Unternehmen ist es manchmal ein geschriebenes, meistens ein ungeschriebenes Gesetz, was man so von z.B. einem oder einer Abteilungsleiter/in erwarten kann.

Das lässt sich im Zweifel auch erfragen. Was erwartet ihr eigentlich so von einer guten Chefin? Einem guten Mitarbeiter? Wann hat er oder sie die Rolle gut ausgeführt? Einen guten Job gemacht? Die Antworten lassen sich dann mit dem eigenen Verhalten abgleichen und es ergibt sich ein recht gutes Bild, ob andere noch weiter bereit sind einem die Macht über sich zu verleihen.

Das klingt jetzt vielleicht gruselig, wer will schon wissen, was alle so von einem erwarten und ob man oder frau dem gerecht wird? Aber letztendlich ist das fiese an Erwartungen, dass sie sowieso im Raum sind. Immer wenn Sie mit Menschen in Interaktion treten liegen Erwartungen in der Luft. Erst das Aussprechen macht die Erwartungen verhandelbar. Denn egal wie die Erwartung der anderen lauten, entscheiden müssen immer noch Sie selbst, ob der Preis für sie zu hoch ist und sie sich unter diesen Umständen die Macht lieber doch nicht ausleihen.

Wie gehen Sie mit den Erwartungen der anderen an ihre Rolle um? Welche Erwartungen haben Sie selbst an ihre Rolle?

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