Eins von alledem ist schon eine Herausforderung !

Mein Kunde, Teamleiter einer Stabsstelle im Automotivbereich, spricht mit mir über Fluch uns Segen seines neugewonnenen Homeoffice. Ja, es ist schwieriger Ergebnisse zu liefern. Der Arbeitsbereich ist kein wirklicher Arbeitsbereich, sondern abwechselnd das eigene Schlafzimmer und der EsstischNach sechs Stunden in Telefonmeetings „klingeln meine Ohren“, sagt er. Und wirklich konzentriert bei der Sache zu sein fühlt er sich auch nicht. HomeOffice hat oft das Stigma von Bademantel und EasyListening im Hintergrund. Für ihn fühlt es sich schwieriger an als der Alltag im Büro. Zusätzlich ist seine Frau mit dem einjährigen Sohnemann in Elternzeit – zuhause – nebenan – in Isolation. „Eigentlich müsste ich meine Frau entlasten. Ohne soziale Kontakte ist diese 24h Betreuung eine enorme Herausforderung für Sie, für uns. Und wo ich kann, tue ich das auch – zwischendurch eben. Darunter leiden Ergebnisse. Manches priorisiere ich jetzt weg. Anders geht es nicht. Darunter leiden auch wir als Paar und ich bleibe gerade sowieso auf der Strecke.“  

Ja und dann hat er ein neues Team. „Das haben wir nach dem Corona-Lockdown im Konzern aufgestellt. Wir haben uns also noch nie live gesehen.“ Hieraus ergab sich auch sein Beratungsauftrag: Wie gelingt es mir, unter diesen Umständen aus Einzelpersonen ein Team zu machenKlingt wie eine echte Herausforderung, sage ich. Zumal ich weiß, dass er erst seit kurzem in Führungsverantwortung ist. 

Fassen wir mal zusammen:  

  1. Mein Klient ist im Corona-HomeOffice. Unfreiwillig – von heute auf morgen – provisorisch ausgestattet – mit der Parallelaufgabe, sich darin einzurichten und das alles im familiären Ablauf gut zu integrieren. Bei Vielen ist das oft gar nicht möglich. Aus meiner Sicht sind diese Umstände meilenweit von einem HomeOffice entfernt – das hier ist eine Ausnahmesituation!
  2. Er führt ein Expertenteam, versteht sich selbst als Experte und ist gerade dabei, seine Leadership-Skills aufzubauen. Trainings gingen voran, er probiert sich aus, ist im Austausch und in Reflexion und liest sich ein, wo er noch Lücken sieht. Dabei schaut er, dass er sich das Vertrauen seiner Kolleg*innen erarbeitet, gute Ergebnisse mit seinem Team erzielt und dabei das Oberwasser behält. Wer selbst schon in einer solchen Situation war, weiß, dass sich das manchmal anfühlt wie ein Spießrutenlauf. War das richtig, war das falsch? Was erwarten die jetzt eigentlich von mir? Was darf ich auf keinen Fall tun? Und wie schaffe ich es bei all diesen Unklarheiten souverän zu bleiben? Ausnahmesituation!
  3. Und dann hat er den Wunsch, aus den Menschen, die mit ihm Zusammenarbeiten ein Team werden lassen zu können. Im virtuellen Raum, ohne die Möglichkeit, sich für zweieinhalb Tage auf Gut Nirgendwo für eine moderierte Klausurtagung zurückzuziehen. Hut ab vor dieser Pionieraufgabe! 

Wir konnten einige Ideen entwickeln, wie das gut funktionieren kann. Wertvoll war für ihn die Erkenntnis, dass er sich auch im virtuellen Raum Zeit für die Frage nehmen kann: „Wer sind wir als Team und welchen Mehrwert wollen wir stiften?“ Dazu drei Stunden Zeit nehmen (mit Pausen – gern auch gemeinsam!!!), Kameras anschalten, gut vorbereiten (Was muss geschehen, damit das für euch gut wird?), vorher bereits Rollen klären (Wer kann was beitragen?) und dann ausprobieren. Jedes Ergebnis besser als Null ist ein Erfolg! Lasst euch bei der Moderation solcher Meetings helfen. Eure HR-Abteilung hat dafür bestimmt gute Leute oder Budgets. 

Mein Fazit: 

Leute, ihr leistet gerade Großes da draußen. Vier Stunden konzentriertes Arbeiten ist eine Leistung unter diesen Umständen! Ihr dürft stolz auf jedes Ergebnis sein, das Ihr gemeinsam erreichen konntet, ohne euch live gesehen zu haben, ohne den Schnack auf dem Flur für das kleine Problemchen Zwischendurch nutzen zu können oder einfach zu spüren, was bei den anderen gerade los ist! Belohnt euch dafür mit einer gemeinsamen Kaffeepause, einer Erfolgsstory des Tages und einem Schwank aus der Jugend. Im Videochat, per Telefon, im Messenger. Denn diese Art des Kontakts fehlt uns hier und heute! Und, wir sprechen über eine Ausnahmesituation, die für alle und alle Bereiche eures Lebens gilt: für die Arbeitswelt, für eure Familie und für euch persönlich. Erkennen wir das an und finden Strategien für jede dieser Welten, um heil durch diese Zeit zu kommen! 

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