Die Kraft der Pause

Nun darf ich also wieder ins „normale“ Leben zurück. Okay, ich fange ja auch langsam an, mich an die aktuelle Situation zu gewöhnen. Die letzten Wochen waren anspruchsvoll, keine Frage. Ich weiß, dass es mir guttun wird, mich auch wieder körperlich mehr zu bewegen. Mein Rücken gibt mir unmissverständliche Signale, dass Haltung bewahren mit Corona tatsächlich in letzter Zeit immer schwerer wurde. Also ab zum Rückentraining ins Fitnessstudio – geht ja jetzt wieder.

Neben meinen Rückenschmerzen treibt mich auch meine Neugier: „Wie sieht das denn aus: Fitness mit Hygienekonzept?“. Ich muss mich vorher telefonisch anmelden, komme dafür in den Genuss einer kleinen exklusiven Trainingsrunde mit Intensivbetreuung und überraschenden Erkenntnissen. Ich trage schicke Baumwollhandschuhe und merke, dass ich es eigentlich schon immer etwas eklig fand, in die Schweißtapsen meiner Trainingskollegen zu fassen – nur wird mir dieser Gedanke und das dazugehörige Gefühl wohl erst mit den Handschuhen so richtig bewusst.
Am meisten beeindruckt mich aber: die Taktung des Zirkeltrainings wurde umgestellt. Bedeutet mehr Pausen zwischen den einzelnen Geräten!
Ich nehme diese Verschnaufpausen dankbar an – auch weil ich es konditionsbedingt einfach muss. Ich merke, dass ich auf einmal Zeit habe mehr Details im Fitnessraum wahrzunehmen kann – z.B. mich und auch die drei anderen Sportler. Ich komme sogar zum Kommunizieren oder zumindest zum Lächeln.

Ich bin gerade noch überrascht, dass mir die langsamere Taktung gefällt, ich mich sagen höre: „Das ist richtig schön mit diesen Pausen dazwischen!“, als mich der eruptive Satz meiner Trainingskollegin trifft: „Boah, diese langen Pausen nerven mich total.“

Und da ist sie wieder: die Gewissheit, dass es auch im Fitnessstudio keine einheitliche Regelung geben kann, uns allen gerecht zu werden.
Ich fange an, mich durch Nachdenken vom Ziehen in meinen  Muskeln abzulenken: Vielleicht braucht die Sportlerin neben mir gerade die Beschleunigung, um wieder in die eigene Kraft zu kommen. Und ich entdecke eben die Kraft der Pause für mich. Während die Eine der Stillstand nervt, motiviert die Andere die Entschleunigung als Chance zum Luftholen und Nachdenken.

Ich habe die letzten Wochen als anspruchsvolles und eng getaktetes „Konditionstraining“ erlebt, während andere Menschen in meinem Umfeld mit einer Art Schleudertrauma aufgrund einer kompletten Ausbremsung klarkommen mussten. Der Wunsch nach anziehender Geschwindigkeit und einem Zurückkommen in die alte Taktung erscheint mir nachvollziehbar. Hier war vielleicht schon Freiraum zum Nachdenken und Verstoffwechseln der letzten Wochen.

Ich merke jetzt neben meinem Muskelziehen und meinem erhöhten Puls: ich brauche noch Zeit – die Pause – um zu verdauen und Kraft zu tanken – eine überraschende Erkenntnis an einer Stelle, wo ich sie nicht gesucht habe: zwischen Crosstrainer und Rudergerät…

Und wie halten Sie es aktuell mit Pausen? Reicht es Ihnen mit Stillstand oder brauchen Sie gerade Pause für den Blick auf das, was in den letzten Wochen verloren gegangen und gleichzeitig neu entstanden ist? Wie geht es den Menschen in Ihrem Umfeld damit?

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